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Der Kreis schließt sich

01. Juli 2020

Fußball Torhüter Sascha Krüger kehrt nach vier Jahren zum Landesliga-Aufsteiger nach Burg zurück

Es scheint in der Fußballwelt des Jerichower Landes der Transfer-Sommer zu werden, an dem es für viele Kicker zurück zu den eigenen Wurzeln geht. Dennoch lässt der Burger BC 08 dieser Tage mit einem Rückkehrer, den man so beim Neu-Landesligisten nicht erwartet hatte, aufhorchen.

Von Björn Richter (Volksstimme)
Burg l Zu 100 Prozent korrekt lässt sich die Sache nicht mehr rekonstruieren. Vielleicht am berüchtigten Bahnübergang an der Bundesstraße 1 in Heyrothsberge, wo die Versuchung groß ist, die Wartezeit mit dem Lösen von Kreuzworträtseln oder der eigenen Steuererklärung zu überbrücken. Vielleicht auch später auf den kurvigen Abschnitten der B 246a hinter Gommern, wo die Lkw-Dichte zwar zunimmt, doch die Möglichkeiten für ein Überholmanöver an einer Hand abzuzählen sind. Kurz gesagt: Irgendwo auf den rund 45 Kilometern und ebenso vielen Autominuten zwischen Niegripp und Schönebeck hat Sascha Krüger die Gelegenheit zum Nachdenken genutzt – und die Konsequenz daraus gezogen. „Bei Union zu trainieren und zu spielen hat großen Spaß gemacht“, bekennt der 31-Jährige zwar. Den Aufwand, dreimal wöchentlich vom Wohnort oder der Firma im Jerichower Land aus in den Salzlandkreis zu pendeln, ist es aber mitunter nie wert gewesen.

Dass der Torhüter und der Fusionsclub aus Schönebeck also nach nicht einmal einem halben Jahr wieder getrennte Wege gehen, vermag soweit nicht zu überraschen. Dass besagter Weg nun aber zurück zum Burger BC 08 führt, dagegen schon. Beide Parteien waren im Sommer 2016 nach einer aus dem Ruder gelaufenen Mitgliederversammlung im Unfrieden auseinander gegangen. Vier Jahre Zeit halfen nun aber ganz offensichtlich, um das Gewesene als das zu betrachten, was es ist. Oder wie Krüger es ausdrückt: „Die ersten ein, zwei Jahre war der Abgang und wie er abgelaufen ist, noch im Kopf präsent. Inzwischen können der Verein und ich aber behaupten, einen Strich unter die Sache gezogen zu haben. Es ist längst Gras drüber gewachsen.“

Grünpflege ist beim BBC 08 zwar noch nicht Sache des Cheftrainers, doch die Frage, wer einen nicht unerheblichen Beitrag zur Aussöhnung geleistet hat, ist schnell beantwortet. Michael Hucke weiß nicht nur den großen Vorteil, beim großen Crash des damaligen Verbandsligisten noch Außenstehender gewesen zu sein, auf seiner Seite, sondern pflegt seit je her privaten Kontakt zu Krüger. „Es gab immer wieder losen Austausch. Ich hatte mir immer gewünscht, mal so eine Personalie in Angriff zu nehmen. Denn Sascha ist natürlich nicht irgendwer, sondern eine sportliche Größe“, lobt Hucke, der schließlich zum Jahreswechsel seine Bemühungen intensivierte und vor der Corona-Pause die Zusage des Keepers erhielt.

So ist nicht zu leugnen, dass der direkte Wiederaufstieg nach einem Jahr Landesliga-Abstinenz den BBC 08 wieder zu einer gehobeneren Adresse gemacht hat. Denn nach wie vor lodert in Krüger der Ehrgeiz: „Die Landesliga ist eine reizvolle Herausforderung und noch dazu zieht sie mit die meisten Zuschauer an.“ Als Vater einer eineinhalb Jahre alten Tochter und selbstständiger Unternehmer haben sich zwar die Prioritäten längst neu geordnet, aber „auch wenn man mit fast 32 Jahren vielleicht mal ein Wochenende fehlt, komme ich nicht hierher zurück, um in der Saison fünf Partien zu absolvieren.“

Nach Franz Zimmer, Hendrik Schäfer oder zuletzt Marco Westhause findet also der nächste Rückkehrer den Weg in seine Heimatstadt. Fußball-Romantiker dürfte es freuen und der Club sich bestätigt fühlen: Sportlicher Erfolg mit regional verwurzelten Spielern ist mehr als ein hübscher PR-Slogan, nämlich ein tragfähiges Konzept. „Ich denke, das Beispiel Gardelegen hat gezeigt, wohin dieser Weg führen kann, wenn man ihn konsequent geht“, spielt Hucke auf den frischgebackenen Verbandsliga-Aufsteiger aus der Altmark an.

Im gleichen Atemzug dürfte jedoch klar sein, dass die Ziele in Burg zur neuen Saison mit Bescheidenheit formuliert werden. „Einen langfristigen Erfolg aufzubauen, ist schlecht planbar. Umso glücklicher sind wir als Verein, mit Heiko Neumann einen Sponsor an unserer Seite zu wissen, der uns auch und vor allem in der Corona-Zeit die Treue gehalten hat. Dennoch möchten wir jetzt nicht innerhalb der nächsten drei Jahre die Oberliga zu unserer sportlichen Heimat machen. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, bekennt der Trainer.

Dennoch wächst mit der Personalie Krüger auch der Erfahrungsschatz im Team um rund 300 Verbands- und Landesliga-Partien an. Der bisherige Stammtorhüter Maurice Dünnebier benötigt keine prophetischen Fähigkeiten, um sich auszumalen, dass er fortan eine neue „Nummer eins“ vor sich hat. Hucke erklärt: „Natürlich war er nicht erfreut, als ich mit ihm darüber gesprochen habe. Es bleibt festzuhalten, dass dies eine Entscheidung für Sascha und nicht gegen Maurice war. ‚Mo‘ weiß selbst, dass er mit 20 Jahren noch ein junger und keinesfalls fertiger Torhüter ist.“ Eben einer, der am Konkurrenzkampf wachsen und sich in Sachen Handwerk und Ausstrahlung am Routinier orientieren soll. Dieser stellt sich folglich neben der Rolle als Rückhalt auf dem Platz auch dem Auftrag als Lehrmeister für die nächste Generation.

Die Zeichen lassen also den Schluss zu, dass sich im Spätsommer der Karriere für Krüger der Kreis schließt: Von der Zeit im Nachwuchs, über die glanzvollen Jahre 2010 bis 2016 hin zu einem wiedererstarkten Landesligisten, will er nun auch an der neueren Erfolgsgeschichte des BBC 08 mitschreiben und formuliert: „Das Gesamtpaket in Burg passt einfach wieder. Wer mich kennt, weiß, dass mir halbe Sachen nicht liegen. Was ich angefangen habe, ziehe ich durch.“ Zumal dafür in diesem Fall nicht wieder unzählige Stunden auf der Landstraße liegen bleiben müssen.

Aus losem Kontakt wurde im Laufe der Zeit die unerwartete Rückkehr: BBC-Trainer Michael Hucke (l.) kann mit Beginn der neuen Spielzeit auch auf die Dienste von Torhüter Sascha Krüger zählen.
Foto: Björn Richter


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