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Auf der Suche nach Konstanz

05. Februar 2022

Fußball-Landesliga Vorjahresaufsteiger wandelt in der Hinrunde zwischen Abstiegsangst und Anschluss zur Spitze

Mehr noch als in der ers- ten „Corona-Saison“ ist der Burger BC 08 im Jahr 2021 zwischen den Extre- men gewandelt. Das Team bewegte sich in der nicht ganz vollständigen Hinrunde der Fußball- Landesliga Nord irgend- wo im Grenzbereich zwischen Abstiegsgefahr und Anschluss zur Spitze. Der Wunsch für die zweite Saisonhälfte ist daher klar formuliert: Bitte etwas mehr Konstanz.

Von Björn Richter

Burg ● Marcel Probst ist zu- letzt an der Startlinie des Mag- deburger Silvesterlaufs gesich- tet worden. Der 39-Jährige hat es sich außerdem zur Ange- wohnheit gemacht, wöchent- lich einen Trainings-Halbma- rathon abzuspulen. Und wer den Teammanager sowie Rechtsaußen der Burger Lan- desliga-Fußballer fragt, woher er den Ehrgeiz und die Diszi- plin dafür bezieht, dürfte von ihm die Antwort erhalten, die er bereits während der voran- gegangen drei wettkampffrei- en Phasen zwischen März 2020 und dem Hier und Jetzt gegeben hat: „Ich habe beim Aufräumen noch Laufschuhe gefunden, die entstaubt wer- den mussten.“

Es lässt sich an dieser Stelle nicht abschließend klären, wie regelmäßig jeder einzelne beim BBC 08 seinen Keller oder Dachboden zu mehr Ordnung verhilft und ob dabei orginal- verpackte Sportartikel zum Vorschein kommen. Was sich dagegen mit Bestimmtheit sa- gen lässt, ist, dass im Moment noch das Prinzip der Eigenver- antwortlichkeit regiert: „Es gibt derzeit nur eine Sache, die geregelt abläuft: Nämlich, dass bei uns kein organisierter Trai- ningsbetrieb stattfindet. Die Jungs sind angehalten, sich individuell fitzuhalten und kommen dieser Vorgabe über gelegentliches Fußballtennis und den einen oder anderen Lauf nach“, skizziert Trainer Michael Hucke den Ist-Zu- stand kurz nach dem Jahres- wechsel.

Es braucht kein Hellseher- Diplom, um zu erahnen, dass die nächsten Wochen zu einem Wandel bei der Heran- gehensweise führen dürften.

Nimmt man die jüngste Was- serstandsmeldung, wonach die Verbandsliga bereits wie- der im Februar den Spielbe- trieb aufnehmen soll, lässt sich daraus ableiten, dass auch in der Landesliga der Ernstfall

wieder näher rückt. Aktuell darf man davon ausgehen, dass die Ansetzung des Punktspiels beim SSV Havelwinkel War- nau am Sonnabend, 12. März, Bestand hat. Hucke wird seine Schützlinge knapp eineinhalb

Monate zuvor – am Montag, 31. Januar – zum Auftakttrai- ning ins Parkstadion bestellen. „Dann haben wir fünf, sechs Wochen Zeit, um uns wieder an den Ball zu gewöhnen. Die Erfahrung zeigt, dass uns das nicht so leichtfällt und wir entsprechenden Anlauf benötigen.“

Die Zahlen der Hinrunde, die bis auf die Auswärtspartie beim Ummendorfer SV komplett ist, liefern den Beleg.

Platz sechs mit 16 Zählern aus zehn Partien verleiten kaum dazu, für die zweite Sai- sonhälfte den Angriff auf die Spitze auszurufen. Nach dem zwischenzeitlichen Absturz auf Tabellenrang (7. Spieltag) schien der Schulterblick auf die zwei Abstiegsplätze keineswegs wie eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, ehe die Mannschaft im Oktober das Ruder herumreißen und sich im Mittelfeld der Liga einnor- den konnte. „Unter normalen Umständen, von denen wir in der aktuellen Lage natürlich weit entfernt sind, müsste man festhalten, dass wir weit unter unseren Erwartungen spielen. Dass uns bisher die Konstanz völlig abging, lässt sich allein daran ablesen, dass sich Niederlagen und Siege in schöner Regelmäßigkeit ab- wechseln.“ Rückblickend hat bereits die holprige Vorberei- tung in den Sommermonaten den bisherigen Saisonverlauf vorweggenommen. Damals wie später sorgten berufliche und private Ausfälle, vor allem aber kleinere und umso fiesere Verletzungen für schwindel- erregende Personalrochaden auf dem Platz. Eine Entwick- lung, die sich an Ergebnissen und Spielweise ablesen ließ.

Denn auch im dritten Jahr unter Coach Hucke bleiben die Burger einem eher analytisch geprägten Ansatz treu, der dem Spiel bestmöglich die Zu- fälligkeit nehmen soll. Verein- facht gesagt: Wer die emp- findliche Zone des Gegners mit eigenen Kräften überlädt, generiert zwangsläufig Torge- fahr, die sich früher oder spä- ter auszahlt. Eine Abwehr im Dauerstress neigt schließlich zu Fehlern, welche der BBC 08 im Idealfall durch Gegentref- fer bestraft. So funktionierte es in den beiden vorangegangenen und vorzeitig beende- ten Saisons ganz prächtig.

Doch allzu häufig fehlten in den zurückliegenden fünf Monaten Personal und die Gele- genheit, um in großer Forma- tion gewisse Automatismen im Training zu entwickeln.

Umso bemerkenswerter, dass Hucke dabei stets und nahezu Mantra-artig be- tont hat, nicht über die Umstände klagen zu wollen. Und es steht nicht zu erwar- ten, dass der Trainer davon abrückt, wenn er sagt: „Was war, ist gewesen. Wir können es nicht mehr än- dern. Deshalb sollten wir auch keine Energie darauf ver- schwenden, es zu versuchen. Lieber konzentrieren wir uns darauf, es künftig besser zu machen.“ Dann, wenn es in absehbarer Zeit wieder zählt. Mit größtmöglicher Beharr- lichkeit und maximaler Einsatzbereitschaft.

 


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